Zusätzliche Information

Titel:
Erdglobus

Personen/Institution:
Hondius, Jodocus; 1563-1612 [KartografIn]
Isabella; 1566-1633 [WidmungsempfängerIn]
Albrecht; 1559-1621 [WidmungsempfängerIn]
Vrients, Jan Baptista; 1552-1612 [VerlegerIn]

Verantwortlichkeitsangabe:
Jodoc Hondius auctor et Joan Baptista friendt

Ort:
Antwerpior

Verlag/Druck:
Joan Baptista friendt

Datierung:
1601

Maßstab:
circa 1 : 30 000 000

Umfang:
12 Globenstreifen

Format:
Durchmesser 21 cm

Reproduktionsverfahren:
Kupferstich

Details zu illustrierendem Inhalt:
Titelkartusche, Widmungskartusche, 7 Seetierdarstellungen, 10 Schiffsdarstellungen, 1 Meerjungfrau, 1 Riese

Details zu kartographischem Inhalt:
Längere Erklärung in der Titelkartusche, Äquator, Wendekreise und Ekliptik Linie, Berge in Maulwurfshügelmanier

Details zu Maßstabsangaben:
errechneter Maßstab

Gitterlinien:
Längen- und Breitengrade in 10° Schritten, Loxodrome

Nullmeridian:
Azoren

Widmung:
"Serenissimis Princibus Albert[o et Isabe]llae cla. Austriacis Brabantiae Ducibus, etc. D. D."

Exemplar ÖAW Sammlung Woldan:
Vierfüßiges Holzgestell, Horizontring mit Kalender, Meridianring aus Messing, Stundenkreis fehlt, teilweise koloriert

Attributname Label Beschreibung
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Resumee

Dieser unbetitelte Erdglobus aus dem Jahr 1601 von 21 cm Durchmesser (Maßstab circa 1 : 30,000.000) wurde von Jodocus Hondius d.Ä. (1563-1612) in Zusammenarbeit mit Jan Baptista Vrients herausgebracht. Er ist der spanischen Infantin Isabella Clara Eugenia (1566-1633) und ihrem Gatten, dem österreichischen Erzherzog Albrecht VII. (1559-1621) gewidmet. Ihr Vater Philipp III. von Spanien (1578-1621) hatte Isabella bei ihrer Hochzeit zur Statthalterin der spanischen Niederlande gemacht.

Hondius wurde in Flandern geboren. Wegen der politischen und religiösen Konflikte in seiner Heimat ging er in das protestantische England, wo er erste Erfahrungen mit dem Globenbau machte. Im Jahr 1593 kehrte er in die Niederlande zurück, und ging nach Amsterdam, wo er sogleich seine Karten- und Globenproduktion aufnahm. Besonders bei seinen Himmelsgloben arbeitete er mit Petrus Plancius (1552-1622), einem Kartographen und Theologen, zusammen. Nach seinem Tod im Jahr 1612, führte erst seine Witwe, die Schwester des Kupferstechers und Verlegers Pieter van den Keere (1571- nach 1646), und später seine Söhne den Globenverlag fort.

Vrients war ein Amsterdamer Kupferstecher und Buchhändler, der die Hondiusgloben verkaufte und scheinbar auch zum Teil an ihrer Entstehung beteiligt war.

Der Globus ist mit zahlreichen Illustrationen versehen. Zehn Schiffe, sieben Seeungeheuer und eine Meerjungfrau zieren die Ozeane und Meere, und in Südamerika ist ein mit Pfeil und Bogen bewaffneter patagonischer Riese dargestellt. Die Widmungskartusche in Nordamerika und die Titelkartusche im südwestlichen Pazifik haben aufwendige Rahmen, wobei über der Widmungskartusche auch ein leicht beschädigtes Wappen gezeigt ist. Der Globus ist koloriert und die Farben sind seit seiner Restauration im Jahr 2013 besonders gut zu erkennen. Neben den illustrierenden Elementen sind auch die Grenzen und diverse Gebiete auf der Karte koloriert.

Der Nullmeridian verläuft durch die Azoren. Äquator, Ekliptik, Wendekreise und Loxodrome, sowie Längen- und Breitengrade in 10° Schritten sind eingetragen. Der Globus ruht in einem vierfüßigen Holzgestell und ist von einem Horizontring mit Kalender und einem Meridianring aus Messing umgeben.

Die Karte entspricht dem in Europa vorhandenem Wissen ihrer Zeit. Da die niederländischen Händler sich seit den Unabhängigkeitsbemühungen nicht mehr auf die spanischen und portugiesischen Häfen verlassen konnten, begannen sie Seerouten nach Asien zu erkunden. Von diesen Expeditionen brachten sie viel neues, und auch kartographisch relevantes Material mit zurück. Noch unbekannt war zu dieser Zeit allerdings der Großteil der südlichen Halbkugel, auf der hier eine sehr ausgebreitete Terra Australis eingezeichnet ist. Australien ist noch völlig unbekannt. Auch die genauen Koordinaten der Küsten Nord- und Südamerikas sind noch nicht bekannt. Diese Kontinente sind demnach viel größer dargestellt, als sie es in der Realität sind. Südamerika reicht bis über den Nullmeridian. Die Westküste Nordamerikas verläuft fälschlicherweise zu weit im Süden. Auch das Innere der Kontinente außerhalb Europas ist größtenteils imaginiert, wie es das Beispiel der patagonischen Riesen hervorragend zeigt.

Dieses Kartenbild bildete die Vorlage für den Erdglobus von Habrecht, welcher auch in dieser Sammlung enthalten ist.

Edurne Kugeler

Quellen und weiterführende Literatur:

Thomas HORST, Die Globen der Sammlung Woldan. Erdkugeldarstellungen als Quelle für die Geschichtswissenschaft, in: Gerhard HOLZER, Thomas HORST, Petra SVATEK (Hg.), Die Leidenschaft des Sammelns. Streifzüge durch die Sammlung Woldan (Edition Woldan 3), Wien 2010, 233-296.

Peter VAN DER KROGT, Old globes in the Netherlands: a catalogue of terrestrial and celestial globes made prior to 1850 and preserved in Dutch collections. Utrecht: HES 1984.

Peter VAN DER KROGT, Globenproduktion in den Niederlanden und ihre Auswirkung auf Europa (1525-1650), in: Der Globusfreund Nr. 49/50, 2002. S. 49-65.

Publication Datum
Lizenz
Creative Commons Attribution 4.0 International (CC BY 4.0)
Typ
Raster Data
Schlüsselwörter:
17. Jahrhundert
Kategorie
Globus
Globus
Eigentümer
Einschränkungen
Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International (CC BY-SA 4.0)
Zweck

Erdglobus

Sprache
English

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