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Titel
ANDREAE Erdglobus 1756
Resumee

Dieser kleine, unbetitelte Erdglobus von 13 cm Durchmesser (Maßstab circa 1 : 49,000.000) wurde im Jahr 1756 von dem Kupferstecher Johann Christoph Berndt (1707-1798) herausgebracht. Als Vorlage benutzte er einen 1726 entstandenen Erdglobus von Johann Philipp Andreae (1700-1760). In der, auf Französisch verfassten, Titelkartusche wird auf den Mathematiker Jean Pigeon (1654-ca.1739) verwiesen. Ob Andreae in den auf dieser Karte vorgenommenen Verbesserungen involviert war, ist nicht festzustellen.

Johann Philipp Andreae war der Sohn von Johann Ludwig Andreae (1667-1725), einem Pfarrer und Globenmacher, der in Nürnberg tätig war. Johann Philipp Andreae begann im Jahr 1718 eigene Globen herauszugeben. Im Jahr 1733 wurde er allerdings zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt, nachdem er an einer Schmähschrift gegen den Nürnberger Stadtrat beteiligt gewesen war. Kurz nach seiner Verurteilung gelang ihm aber die Flucht, und er siedelte sich im nahe gelegenen Schwabach an, wo er wieder als Globenmacher tätig wurde.

Zu Johann Christoph Berndt ist nur wenig bekannt. In der hier vorliegenden Titelkartusche bezeichnete er sich selbst als Mecanique et Graveur, und er war offenbar in Nürnberg im Umfeld Andreaes tätig.

Jean Pigeon war ein französischer Mathematiker, der sich in seinen wissenschaftlichen Studien als einer der ersten mit dem kopernikanischen Modell auseinandersetze. Berndt beruft sich hier vermutlich auf ein Sphärenmodell, das er 1711 veröffentlichte.

Auf dem Globus sind sieben Schiffe abgebildet. Der Großteil füllt die südliche Halbkugel, deren Geographie in Europa zu diesem Zeitpunkt noch schlecht bekannt war. Im südlichen indischen Ozean ist zusätzlich ein Schiffsbruch dargestellt. Die Titelkartusche mit aufwendigem Rahmen befindet sich im südlichen Pazifik. Außerdem zieren den Globus noch vier Windrosen. Der Globus ist stellenweise koloriert. So sind zum Beispiel die Binnengewässer türkis gefärbt. Bevor er in den Besitz Woldans gelangte, wurde der Globus restauriert. Er weist allerdings immer noch einige Dellen auf. An einer Stelle im mittleren Pazifik ist das originale Kartenbild leider nicht erhalten.

Der Nullmeridian verläuft durch die Kanarischen Inseln. Äquator, Wendekreis und Ekliptik sind eingezeichnet, genauso wie Gitterlinien in 10° Abständen. Der Globus liegt in einem Holzgestell, das aus einem Fuß und vier gedrechselten Säulen besteht. Auf den darauf liegenden Horizontring ist ein Kalender gedruckt, der ebenfalls koloriert ist. Ein Meridianring aus Messing umringt den Globus, Stundenkreis und zeiger fehlen allerdings.

Das Kartenbild zeigt nur die Westküste Australiens, noch verbunden mit der Küste Papua-Neuguineas. Weiter südlich ist die Terra Australis eingezeichnet. Im Nordpazifik ist die Antarktisgrenze dargestellt. Kalifornien wird als Insel gezeigt. Die Kontinente, insbesondere Amerika und Afrika, sind mit imaginierten Angaben befüllt. Der Amazonas zum Beispiel wird von mehreren Seen unterbrochen und durchzieht den Kontinent bis an den Pazifischen Ozean. Afrika ist von Bergen übersät, die in Maulwurfshügelmanier dargestellt wurden. An den vermuteten Quellen des Nils befindet sich eine Legende.

Edurne Kugeler

Quellen und weiterführende Literatur:

Thomas HORST, Die Globen der Sammlung Woldan. Erdkugeldarstellungen als Quelle für die Geschichtswissenschaft, in: Gerhard HOLZER, Thomas HORST, Petra SVATEK (Hg.), Die Leidenschaft des Sammelns. Streifzüge durch die Sammlung Woldan (Edition Woldan 3), Wien 2010, 233-296.

Jean PIGEON, Explication d'un nouveau globe monté d'une façon particulière, selon le système de Copernic, avec ses différens usages. Paris: Selbstverlag s.d.

Jean PIGEON, Usage du globe terrestre suspendu, selon Copernic. Paris: G.-F. Quillau 1731.

Rudolf SCHMIDT, Globen in Klöstern und Stiften. In: Allmayer-Beck, Peter E.: Modelle der Welt. Erd- und Himmelsgloben. Wien: Brandstätter 1997, 175-198.

Friedrich VON HAGEN, Nürnberger Verleger kartographischer Produkte vom späten 17. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts, in: Michael DIEFENBACHER, Markus HEINZ, Ruth BACH-DAMASKINOS (Hg.), Ruth: auserlesene und allerneueste Landkarten. Der Verlag Homann in Nürnberg 1702-1848. Nürnberg: W. Tümmels 2002. S. 48-61.

Publication Datum
1. Januar 1756 00:00
Typ
Raster Data
Schlüsselwörter:
18. Jahrhundert
Kategorie
Globus
Globus
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Features

Einschränkungen
Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International (CC BY-SA 4.0)
Zweck

Globe de la Terre

Sprache
English
Zusätzliche Information

Titel:
Globe de la Terre

Personen/Institution:
Andreae, Johann Philipp; 1700-1759 [KartografIn]
Orléans, Louis Philippe Joseph d'; 1747-1793 [WidmungsempfängerIn]
Pigeon, Jean; 1654-1739 [ctb]
Berndt, Johann Christoph; 1707-1798 [StecherIn]

Verantwortlichkeitsangabe:
Ce Globe de la terre est desiné le plus nouvelle maniere de Iean Pigeon, Mathematicien dedié à D.A.R.Mr.r le Duc d'Orleans, il est à trouver chez de Iean. chretop. Berndt Mecanique, et Graveur, à Nüremberg l'An 1756

Ort:
Nüremberg

Verlag/Druck:
Iean. chretop. Berndt

Datierung:
1756

Maßstab:
circa 1 : 49 000 000

Umfang:
12 Globenstreifen, 2 Polkappen

Format:
Durchmesser 13 cm

Reproduktionsverfahren:
Kupferstich

Details zu illustrierendem Inhalt:
7 Schiffsabbildungen, 4 Windrosen, Titelkartusche

Details zu kartographischem Inhalt:
Gebirgsdarstellung in Maulwurfshügelmanier, mit Äquator, Wendekreisen und Ekliptik Linie

Details zu Maßstabsangaben:
errechneter Maßstab

Nullmeridian:
Kanarische Inseln

Gitterlininen:
Längen- und Breitengrade in 10°-Schritten

Widmung:
"D.A.R.Mr.r le Duc d'Orleans"

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