Zusätzliche Information

Titel:
Globus Terrestris : in quo locorum insignorum situs terraeque facies, secundum praecipuat observationes celebrimorum nostri aevi Astronomorum et Geographorum, adiectis etiam novissimis tam Steptentrionalium quam Australium terrarum prius incognitarum

Personen/Institution:
Doppelmayr, Johann Gabriel; 1677-1750 [KartografIn]
Jenig, Wolf Paulus; 1743-1805 [HerausgeberIn]
Puschner, Johann Georg; 1680-1749 [StecherIn]

Verantwortlichkeitsangabe:
descriptionibus exhibentur olim opera Ioh. Gab. Doppelmaieri M.P.P. concinnatus á I.G. Puschnero. Nunc audem denuo editus W.P. Ienig

Ausgabe:
dritte, veränderte Auflage

Ort:
Noriberge

Verlag/Druck:
W. P. Jenig

Datierung:
1791

Maßstab:
circa 1 : 32 000 000

Umfang:
12 Globenstreifen

Format:
Durchmesser 20 cm

Reproduktionsverfahren:
Stich

Details zu illustrierendem Inhalt:
Titelkartusche, Meridiankartusche

Details zu kartographischem Inhalt:
Eingezeichnete Reiseroute des Dampier und des Cook, Gebirgsdarstellung in Maulwurfshügelmanier, mit Äquator, Wendekreisen und Ekliptik Linie

Details zu Maßstabsangaben:
errechneter Maßstab

Anmerkungen zur Entstehungsangabe:
Veränderte Neuauflage der Ausgabe von 1750, Ergänzung Australiens, und veränderte Titelkartousche

Nullmeridian:
Ferro, "Meridianus primus per Insulam Fer, quae inter Canarias occidentalissima, ductus est, à quo Parisiensis 20.Gradibus, Noribergensis autem 28 Grad. 40. Minutis distat."

Gitterlininen:
Längen- und Breitengrade in 10°-Schritten

Attributname Label Beschreibung
BLUE_BAND
GREEN_BAND
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Resumee

Bei diesem Globus Terrestris von 20 cm Durchmesser (Maßstab circa 1 : 32,000.000) aus dem Jahr 1791 handelt es sich um eine erweiterte Neuauflage des Doppelmayr Globus von 1750. Wolfgang Paulus Jenig (1743-1805) ergänzte die von Johann Gabriel Doppelmayr (1671-1750) gezeichnete Karte mit den neuesten geographischen Erkenntnissen. Herausgegeben wurde der Globus von Georg Ludwig Puschner (1734-1774), dem Enkel des Verlagsgründers Johann Georg Puschner (1680-1749).

Der aus Nürnberg gebürtige Doppelmayr besuchte das angesehene Egidiengymnasium bevor er Jura, Mathematik und Physik studierte. Auf Studienreisen durch England und die Niederlande holte er sich erste Anregungen zum Globenbau. Ab 1704 unterrichtete Doppemayr am Egidiengymnasium Mathematik, 1710 wurde er Direktor der Eimmartschen Sternwarte in Nürnberg. Ab 1728 stellte er Globen unterschiedlicher Größen her, die von Puschner angefertigt und vertrieben wurden. Für den wichtigen Nürnberger Homann Verlag arbeitete Doppelmayr außerdem an Karten und schrieb u.a. die Einleitung zu einem ihrer Atlanten. Sein Interesse für das Phänomen der Elektrizität, mit dem er sich in seinen letzten Jahren zunehmend beschäftigte, wurde ihm schließlich zum Verhängnis. Er starb vermutlich an einem Stromschlag der ihn bei einem Experiment mit einer Batterie aus Leidener Flaschen traf.

Jening, ein gelernter Bleistiftmacher, hatte 1770 Maria Magdalena Puschner geheiratet. Er setzte die Globenherstellung im Verlag seines Schwagers, Georg Ludwig Puschner, fort bis zu seinem Tod im Jahre 1805. Die Beliebtheit der Doppelmayr Erd- und Himmelsgloben, die wohl auf ihre hohe Qualität und Genauigkeit zurückzuführen ist, erklärt vermutlich, warum Jenig sich zu dieser Neuauflage entschloss. Sie ist auch der Grund, warum verhältnismäßig viele Exemplare der Doppelmayr Globen erhalten sind.

Wie sein Vorgänger, ist auch dieser Globus, bis auf zwei Kartuschen, nicht illustriert. Die Titelkartusche hat einen schlichten, ovalen Rahmen und befindet sich im nördlichen Pazifik. Die zweite Kartusche, die Erklärungen zum Nullmeridian enthält, befindet sich im Südpazifik. Ihr Rahmen ist aufwendiger verziert, sie wurde von der 1750er Ausgabe übernommen. Der Globus ist außerdem koloriert. Vor allem sind die Grenzen farbig nachgezeichnet. Einzelne Gebiete, wie zum Beispiel China und Teile Afrikas, sind aber vollständig mit Farbe versehen.

Wie in der Kartusche beschrieben, verläuft der Nullmeridian durch die Insel Ferro. Äquator, Ekliptik und Wendekreise mit eingetragenen Sternzeichen sowie Längen- und Breitengrade in 10° Schritten sind eingezeichnet. Der Globus ruht in einem Holzgestell mit einem Fuß und vier Säulen, auf denen der Horizontring liegt. Der darauf gedruckte Kalender ist gut erhalten und zeigt die Windrichtungen, die Monatsnamen und astronomische Termini wie das Azimut und die Tierkreiszeichen.

Das Kartenbild, von Jenig auf den neusten Stand gebracht, zeigt nun ein vollständiges Australien. Tasmanien ist aber noch nicht als Insel eingetragen. Auch Neuseeland wurde vervollständigt. Anstelle der Antarktis bleibt auch weiterhin ein weißer Fleck. Die Küsten Nordamerikas, unverändert im Vergleich zur Ausgabe von 1750, sind noch ungenau. Die kalifornische Halbinsel wird aber als solche dargestellt. Auch die Arktis bleibt auf dieser Karte leer. Das Innere der Kontinente ist zwar mit Flüssen und Bergen befüllt, diese sind allerdings zum Teil imaginiert, wie man an dem Beispiel Afrikas erkennen kann. Flüsse, von denen eigentlich nur ihre jeweiligen Mündungen bekannt waren, sind realitätsfern weitergezeichnet. Auch ein See in Ostafrika ist visualisiert.

Zusätzlich zu der Reiseroute William Dampiers (1651-1715) ist auf diesem Globus auch die Route von James Cook (1728-1779) eingezeichnet. Dampier schrieb sehr beliebte und einflussreiche Berichte zu den Reisen, die ihn insgesamt drei Mal um die Welt führten. Diese erschienen um die Wende vom 17. ins 18. Jahrhundert. Besonders die Informationen zu den Winden und Strömungen im Pazifik waren für die europäischen Kartographen und späteren Entdecker, unter anderem für Cook, von Bedeutung. James Cook, berühmt vor allem durch seine drei Fahrten in den Pazifischen Ozean, brachte viele wichtige neue Informationen mit, insbesondere zur Ostküste Australiens und zu Neuseeland. Damit trug er wesentlich dazu bei, einige weißen Flecken von der Karte zu tilgen.

Edurne Kugeler

Quellen und weiterführende Literatur:

Elly DEKKER, Peter VAN DER KROGT, Globes from the Western World, London, Zwemmer 1993.

Johannes DÖRFLINGER, Forschungsreisen auf Globen das Beispiel James Cook, in: Staatsbibliothek Preussischer Kulturbesitz (Hg.), Die Welt in den Händen. Globus und Karte als Modell von Erde und Raum, Berlin, Staatsbibliothek Preussischer Kulturbesitz 1989.

Thomas HORST, Die Globen der Sammlung Woldan. Erdkugeldarstellungen als Quelle für die Geschichtswissenschaft, in: Gerhard HOLZER, Thomas HORST, Petra SVATEK (Hg.), Die Leidenschaft des Sammelns. Streifzüge durch die Sammlung Woldan (Edition Woldan 3), Wien 2010, S. 233-296.

Jan MOKRE, Rund um den Globus. Über Erd- und Himmelsgloben und ihre Darstellungen, Wien, Bibliophile Edition 2008.

Diana PRESTON, Michael PRSTON, A Pirate of Exquisite Mind. The Life of William Dampier: Explorer, Naturalist and Buccaneer. London, New York u.a., Doubleday 2004.

Friedrich VON HAGEN, Nürnberger Verleger kartographischer Produkte vom späten 17. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts, in: Michael DIEFENBACHER; Markus HEINZ, Ruth BACH-DAMASKINOS, auserlesene und allerneueste Landkarten. Der Verlag Homann in Nürnberg 1702-1848. Nürnberg, W. Tümmels 2002. S. 48-61.

Publication Datum
Lizenz
Creative Commons Attribution 4.0 International (CC BY 4.0)
Typ
Raster Data
Schlüsselwörter:
18. Jahrhundert
Kategorie
Globus
Globus
Eigentümer
Einschränkungen
Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International (CC BY-SA 4.0)
Zweck

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