Zusätzliche Information

Titel:
Die Fr. Grafschaft Tirol

Weitere Titel:
Die Fürstliche Grafschaft Tirol

Personen/Institution:
Burgklehner, Matthias; 1573-1642 [KartografIn]
Spängler, Andreas; 1589-nach 1669 [StecherIn]

Verantwortlichkeitsangabe:
Mathias Bürgklehner

Ort:
Innsbruck

Verlag/Druck:
Verlag nicht ermittelbar

Datierung:
1629

Maßstab:
Circa 1:160 000

Umfang:
1 Karte

Format:
150 x 140 cm

Reproduktionsverfahren:
Kupferstich

Details zu kartographischem Inhalt:
Geländedarstellung in Bergfigurenmanier. - Orte, Burgen und Schlösser in individueller Aufrissdarstellung.

Details zu Maßstabsangaben:
Maßstab in graphischer Form, "Gemeine Teutsche meil zu 4000 Schritt", "Grosse Teutsche meil zu 5000 Schritt"

Gitterlinien:
Längen- und Breitenangaben in 6'-Schritten nur im Kartenrand

Nullmeridian:
20° 20' westlich von Greenwich

Anmerkungen zur Entstehungsangabe:
Nachstich des Holzschnitts von 1611

Sonstige Details:
Exemplar ÖAW-Sammlung Woldan in12 Teile zerschnitten (55 x 40 cm)

Attributname Label Beschreibung
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Resumee

Die Fürstliche Grafschaft Tirol (Maßstab ca. 1:600.000) wurde 1629 in Innsbruck publiziert. Die Kupferstichkarte ist ein Nachstich des Holzschnittes aus dem Jahre 1611 und stammt vom Tiroler Verwaltungsbeamten Matthias Burgklechner (1573-1642). Gestochen wurde sie von Andreas Spängler. Im Rahmen seines Verwaltungspostens erlangte Burgklechner diverse Positionen. Er war unter anderem Vizepräsident der Kammer und Vizekanzler des Regiments. Burgklechner fertigte mehrere Karten über Tirol an, die wohl als Ergänzung zu seinem Manuskriptbuch Beschreibung und Verbündnis des tirolischen Adlers mit dem habsburgischen Löwen gedacht waren. Doch dürften auch Grenzverhandlungen der Anlass für die Erstellung der hier beschriebenen Karte gewesen sein.

Die Karte zeigt ganz Tirol, aber keine umliegenden Gebiete, da diese in Wolkenbänke eingehüllt sind. Längen- und Breitenangaben erscheinen in 6’-Schritten nur im Kartenrand. Der Nullmeridian befindet sich 20° 20’ westlich von Greenwich. Eine Maßstabsangabe in graphischer Form erscheint im rechten unteren Bereich der Karte (Gemeine Teutsche meil zu 4000 Schritt, Grosse Teutsche meil zu 5000 Schritt). Der Kartenrand ist durch die vielen Wappenabbildungen künstlerisch gestaltet worden. Dazu kommen Hinweise auf Entfernungsangaben von außerhalb des Kartenbildes liegenden Städten sowie auf Klimazonen. Im rechten unteren Eck der Karte sind das Wappen von Matthias Burgklechner und das Tiroler Landeswappen, gehalten von den beiden Sagenfiguren Haimo und Tyrsus, zu sehen. Im linken unteren Eck befinden sich die Portraits und das Wappen von Erzherzog Leopold V. und seiner Frau Claudia von Medici. Am rechten und linken Rand sind zudem zwei Kartuschen integriert worden. Diese beinhalten eine Aufzählung aller Tiroler Landesfürsten und eine Übersicht über die in der Karte vorkommenden Eintragungen (142 Herrschafften, Gericht und Hoffmarck, 894 Dörffer, 1230 Kirchen, 2 Hohe Stifft usw.). Eine Textkartusche berichten über das Vorrücken des Vernagtferners. Die Karte zeigt außerdem den dabei aufgestauten See. Ab 1600 kam es in den Ostalpen zu massiven Gletschervorstößen, wodurch Gletscher Aufmerksamkeit erregten und in Karten eingetragen wurden. Somit sind diese Karten bedeutende Quellen für die heutige Klimaforschung.

Das Gebirge wurde in der damals typischen Bergfigurenmanier wiedergegeben. Namen von Bergen gibt es in der Karte allerdings kaum (Bsp. Patscher Koffel). Wichtige Bergbaugebiete sind hingegen namentlich erwähnt (so beispielsweise bei Schwaz). Auch bildhafte Darstellungen von Schlachten integrierte Burgklechner in seine Karte: im Lechtal den Appenzeller Krieg 1406/1407, bei der Ehrenberger Klause den Schmalkalder Krieg 1552, die Belagerung der Festung Kufstein 1504 usw. Die Dörfer, Städte, Burgen und Kirchen sind durch wirklichkeitsgetreue Aufrissbilder visualisiert. Bei den Städten erscheint zusätzlich das jeweilige Stadtwappen. In Südtirol findet der Kartenbetrachter Weinbausignaturen. Die Flussläufe entsprechen einigermaßen der Wirklichkeit, während die Seen noch zum Teil realitätsfremde Formen aufweisen. Das hier gezeigte Exemplar ist mit einer Auflösung von 300dpi gescannt worden.

Petra Svatek

Quellen und weiterführende Literatur:

Wilfried BEIMROHR, Mathias Burglechner (Burgklehner) Beamter, Historiker und Kartograph. <https://www.tirol.gv.at/fileadmin/themen/kunst-kultur/landesarchiv/downloads/Burglechner.pdf> (letzter Zugriff: 20.07.2017).

Kurt BRUNNER, Regionalkarten von Tirol des Matthias Burgklechner und ihre Vorläufer, in: Mitteilungen der Österreichischen Geographischen Gesellschaft 144 (2002), 237-254.

Kurt BRUNNER, Kartographie als Klimaarchiv, Meereis im Norden, vom Eis verschlossene Schiffspassagen und vorstoßende Gletscher, in: Eiszeitalter und Gegenwart Jahrbuch der Deutschen Quartärvereinigung e. V. 55 (2005), 1-24.

Franz WAWRIK, Von den Anfängen der österreichischen Kartographie bis zur Zweiten Türkenbelagerung Wiens (1683), in: Ingrid KRETSCHMER, Johannes DÖRFLINGER, Franz WAWRIK, Österreichische Kartographie. Von den Anfängen im 15. Jahrhundert bis zum 21. Jahrhundert (Wiener Schriften zur Geographie und Kartographie 15), Wien 2004, 11-73.

Franz WAWRIK, Elisabeth ZEILINGER, Austria Picta. Österreich auf alten Karten und Ansichten. Ausstellung der Kartensammlung der Österreichischen Nationalbibliothek, Graz 1989.

Publication Datum
Lizenz
Creative Commons Attribution 4.0 International (CC BY 4.0)
Typ
Raster Data
Schlüsselwörter:
17. Jahrhundert , Übersichtskarte
Kategorie
Regionalkarte
Regionalkarte
Eigentümer
Einschränkungen
Creative Commons Attribution 4.0 International (CC BY 4.0)
Zweck

Die Fr. Grafschaft Tirol

Sprache
English

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