Zusätzliche Information

Titel:
Tyrolis Sub Felici Regimine Mariæ Theresiæ Rom. Imper. Aug.

Weitere Titel:
Atlas Tyrolensis

Abweichender Titel auf Übersichtsblatt

Personen/Institution:
Anich, Peter; 1723-1766 [KartografIn]
Hueber, Blasius; 1735-1814 [KartografIn]
Weinhart, Ignaz; 1705-1787 [Sonstige]
Mansfeld, Johann Ernst; 1739-1796 [StecherIn]

Verantwortlichkeitsangabe:
Chorographice Delineata a Petro Anich et Blasio Hueber Colonis oberperfussianis Curante Ignat. Weinhart Profess. Math. in Univers. Œnipontana ; Æri incisa a Joa. Ernest Mansfeld

Maßstab:
Circa 1:104 000

Umfang:
1 Karte auf 20 Blättern + Übersichtsblatt

Format:
226 x 217,5 cm, Blätter 56,5 x 43,5 cm

Reproduktionsverfahren:
Kupferstich

Details zu illustrierendem Inhalt:
Titelkartusche links unten mit Ehrenmal für Kaiserin Maria Theresia und allegorischen Darstellungen

Details zu kartographischem Inhalt:
Geländedarstellung in Bergfigurenmanier

Ergänzender Inhalt:
Ausführliche Zeichenerklärung. - Übersichtsblatt

Details zu Maßstabsangaben:
Maßstab in graphischer Form, "Gemeine Deutsche Meile", "Innsbrucker Werkschuhe", "Grosse Deutsche Meile", "Italienische Meile"

Gitterlinien:
Längen- und Breitenangaben in 10' Schritten

Nullmeridian:
Ferro

Attributname Label Beschreibung
BLUE_BAND
GREEN_BAND
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Resumee

Die Karte „Tyrolis Sub Felici Regimine Mariæ Theresiæ Rom. Imper. Aug.“ (1774, Maßstab ca. 1:104.000), auch kurz „Atlas Tyrolensis“ genannt, wurde von Peter Anich (1723-1766) und Blasius Hueber (1735-1814) hergestellt und von Johann Ernst Mansfeld (1739-1796) gedruckt. Sowohl Anich als auch Hueber lebten als Bauern in Oberperfuß bei Innsbruck. Anich erhielt vom Innsbrucker Professor Ignaz von Weinhart (1705-1787) Unterricht in Mathematik, Astronomie und Vermessungstechnik. Nachdem Anich bereits als Globenbauer Bekanntheit erlangte, erhielt er 1760 von Weinhart den Auftrag, Tirol aufzunehmen und eine Karte anzufertigen. Blasius Hueber assistierte dem gesundheitlich angeschlagenen Anich seit 1765 und vollendete die Karte nach seinem Tod.

Bei ihren Vermessungen ermittelten Anich und Hueber Basislinien, von denen aus sie Dreiecksnetze legten und Detailaufnahmen einfügten. Vier verschiedene Maßstabsangaben („Gemeine Deutsche Meile“, „Innsbrucker Werkschuhe“, „Grosse Deutsche Meile“, „Italienische Meile“) sind am linken Rand der Karte zu sehen. Der Kartenrand und das Kartenbild enthalten Längen- und Breitenangaben in 10°-Schritten. Für den Ausgangspunkt der Längenzählung wählten Anich und Hueber die Kanareninsel Ferro. Die beiden in der Karten abgebildeten Zeichenerklärungen enthalten jeweils mehr als 50 Signaturen, wodurch die Karte einen großen Reichtum an thematischen und topographischen Details beinhaltet. So gibt es zum Beispiel eigene Signaturen für Bischofssitze, Klöster, Wallfahrtsorte, Badeanstalten, Schmelzhütten, Bergwerke, „Paß durch das Gebirg“, Feldlager, Poststationen, „Saurbrunn“ (Krug für ein kohlesäurereiches Mineralwasser) usw.

Die Karte ist künstlerisch besonders aufwändig gestaltet. Rechts unten sind eine Ansicht der Brenntalklause mit der Höhlenfestung Kofel, Schafe und Kühe mit Melkerin und einem Hirten, Wild und ein hochragendes Ehrendenkmal für Maria Theresia, welches das Bildnis der Monarchin trägt und von einem Adler gekrönt wird, abgebildet worden. Oberhalb des Adlers erscheint der von Engeln getragene Kartentitel. Am Fuß des Sockels werden die Landwirtschaft, die Jagd, der Bergbau und der Weinanbau visualisiert. Links unten befindet sich eine allegorische Darstellung der Tiroler Flüsse. Zu sehen sind eine weibliche und drei männliche Flussgottheiten mit je einem wasserspenden Gefäß.

Die Geländewiedergabe erfolgt in Kavaliersperspektive. Höhenangaben sind in der Karte zwar noch nicht vorhanden, doch kennzeichneten Anich und Hueber die höchsten Berge mit einem Sternchen. Dabei sind ihnen auch Fehler unterlaufen. Denn im Tuxer Kamm ist beispielsweise die Gefrorene Wand mit einem Sternchen ausgewiesen worden, aber nicht der eigentlich höhere Olperer. Form und Größe der kleineren Seen entsprechen selten der Wirklichkeit. Ausgesprochen schematisch erscheinen beispielsweise die neun Seen der Texelgruppe. Demgegenüber sind die großen Seen wie Achen-, Kalterer- und Gardasee bereits wirklichkeitsgetreu in die Karte eingetragen. Baumsignaturen sind lediglich dort vorhanden, wo keine anderen Namen und Signaturen vorhanden sind. Daher kann sich der Kartenbetrachter kein genaues Bild über die damalige Lage und Ausdehnung von Wäldern machen. Eine Besonderheit der Karte ist die Wiedergabe von Gletschern in Form von Punkten. Auch Gletschernamen sind von Anich und Hueber eingetragen worden („Gebatsch Ferner“, „Hoch Vernagt Ferner“ usw.). Da die Gletscher in manchen Tälern ziemlich genau dem damaligen Stand wiedergeben, zählt die Karte in der heutigen Klimaforschung zu einer bedeutenden Quelle. Naturkatastrophen, wie zum Beispiel der Durchbruch der Rofener Ache durch den Vernagtgletscher, sind in der Karte sowohl zeichnerisch als auch mit einer kurzen Legende wiedergegeben.

Zur Karte gehört ein Übersichtsblatt in verkleinertem Maßstab, das die wichtigsten Siedlungen, Flüsse, Seen und Berge zeigt. Auch hier weisen Anich und Hueber auf Gletscher hin. So ist zum Beispiel der Maximalstand des Vernagtgletschers durch eine punktierte Linie wiedergegeben. Zudem wird auf das wiederholte Auftreten von Eisstauseen hingewiesen. Das hier gezeigte Exemplar ist mit einer Auflösung von 300dpi gescannt worden.

Petra Svatek

Quellen und weiterführende Literatur:

Kurt BRUNNER, Kartographie als Klimaarchiv Meereis im Norden, vom Eis verschlossene Schiffspassagen und verstoßende Gletscher alte Karten dokumentieren die Kleine Eiszeit, in: Eiszeitalter und Gegenwart. Jahrbuch der Deutschen Quartärvereinigung e. V. 55 (2005), 1-24.

Johannes DÖRFLINGER, Vom Aufstieg der Militärkartographie bis zum Wiener Kongress (1684 bis 1815), in: Ingrid KRETSCHMER, Johannes DÖRFLINGER, Franz WAWRIK, Österreichische Kartographie. Von den Anfängen im 15. Jahrhundert bis zum 21. Jahrhundert (Wiener Schriften zur Geographie und Kartographie 15), Wien 2004, 75-167.

Max EDLINGER, Atlas Tyrolensis: die großen Kartographen aus Oberperfuss, Tirol: Peter Anich (1723-1766), Blasius Hueber (1735-1814), Anton Kirchebner (1750-1831), Wien 1981.

Hans KINZL, Der topographische Gehalt des Atlas Tyrolensis, in: Hans KINZL, Peter Anich 1723-1766. Der erste Bauernkartograph von Tirol. Beiträge zur Kenntnis seines Lebenswerkes (Tiroler Wirtschaftsstudien 32), Innsbruck 1976.

Meinrad PIZZININI, Anich Peter, in: Ingrid KRETSCHMER, Johannes DÖRFLINGER, Franz WAWRIK, Lexikon zur Geschichte der Kartographie. Von den Anfängen bis zum Ersten Weltkrieg, Band 1, Wien 1986, 17-18.

Publication Datum
Lizenz
Creative Commons Attribution 4.0 International (CC BY 4.0)
Typ
Raster Data
Schlüsselwörter:
18. Jahrhundert , Übersichtskarte
Kategorie
Regionalkarte
Regionalkarte
Eigentümer
Einschränkungen
Creative Commons Attribution 4.0 International (CC BY 4.0)
Zweck

Tyrolis Sub Felici Regimine Mariæ Theresiæ Rom. Imper. Aug.

Sprache
English

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